November 2014

Ich will…

Episode 24

Zwerge wollen alles. Jetzt, sofort. Und aus den wunderbarsten, unglaublichsten und absurdesten Gründen. So ergeben sich manchmal ziemlich denkwürdige Konversationen aus Sätzen, die mit „Ich will!“ beginnen. Oder sie lassen einen einfach sprachlos stehen.

Die Top-Ten der herrlichsten Ich-will-Sätze:

  1. „Ich will auch Haare an den Beinen!“ – „Keine Sorge, die kommen noch.“ – „Wann?“ – „Später.“ – „Ach, wieso ist immer alles Tolle später?“
  2. „Ich will auch in die Lungoperdie!“ – „Wohin?“ – „Lun-go-per-die!!“ – „Meinst du etwa Logopädie? Da musst du nicht hin, nur wenn es die Kindergärtnerin sagt.“ – „Aber ich will!“ – „Das geht nicht, wenn du es gar nicht brauchst.“ – „So fies! David darf auch…“
  3. „Ich will in die Krippe!“ – „Das geht nicht, heute ist Sonntag.“ – „Aber ich will! Daheim ist es langweilig.“
  4. „Ich will heute nicht in die Krippe!“ – „Wieso nicht?“ – „Krippe ist blöd.“
  5. „Ich will, dass wir immer Ferien haben!“ – „Ich auch.“ – „Dann sag es doch endlich deinem Chef!“
  6. „Ich will zum Coiffeur!“ – „Willst du dir die Haare schneiden lassen?“ – „Nein, sie soll sie endlich lang machen!“
  7. „Ich will auch Ohrenweh!“ – „Bist du verrückt? Wieso?“ – „Dann darf ich auch auf dem Sofa liegen und Fernsehen.“
  8. „Ich will einen Jokertag[1] nehmen!“ – „Aber du gehst doch gern in den Kindergarten…“ – „Ja.“ – „Was willst du also an dem Tag anderes machen?“ – „Weiss nicht.“ – „Warum willst du ihn dann?“ – „Einfach. Die anderen nehmen ihn auch.“
  9. „Ich will mit dieser Zahnbürste nicht Zähne putzen!“ – „Wieso nicht?“ – „Sie ist grün.“ – „Ja und?“ – „Ja, dann ist sie logischerweise für Buben!“
  10. „Ich will einmal 18 Kinder und 22 Katzen haben.“ Kein Kommentar…

[1] Tag, an dem man ohne Begründung schulfrei nehmen kann.

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November 2014

Und wo war ich so lange?

Episode 23

In letzter Zeit treiben schwerwiegende Fragen die Zwerge um. Fragen wie: „Was passiert eigentlich, wenn man stirbt?“, „Wie kann man einfach nicht mehr sein?“, „Und warum ist der Körper dann noch da?“. Doch nicht nur das mögliche Ende ihres Lebens beschäftigt die Zwerglein zunehmend, sondern auch der Anfang: „Wie wird man eigentlich geboren?“, „Und wer bestimmt den Zeitpunkt?“, „Stirbt man automatisch früher, wenn man früher geboren wurde?“ Auf alle diese Fragen konnten wir gemeinsam mehr oder weniger befriedigende Antworten finden. Nicht alle waren erfreulich, aber zumindest akzeptabel.

Doch bei einer Frage blieben wir hängen. Kein Wunder, denn es ist wohl – nicht nur im Zwergenland – die Frage aller Fragen: „Woher komme ich eigentlich?“ Was im ersten Moment einfach zu erklären scheint, entpuppt sich im zweiten als Knacknuss. Denn wäre es den Zwerglein nur um die biologische Frage nach ihrer Zeugung gegangen, hätte ich liebend gern in den sauren Apfel gebissen, den Storch zum Teufel geschickt und die Bienchen und die Blümchen beim Namen genannt. Doch darum ging es den beiden gar nicht. Was sie wissen wollten, war, wo sie waren, bevor sie in Mamas Bauch kamen. Denn die Vorstellung, dass es sie vorher einfach gar nicht gab, konnten sie nicht annehmen.

Da erinnerte ich mich an die Geschichte, die ich von meinen Eltern zu dem Thema erzählt bekommen hatte, nämlich dass die ungeborenen Zwerglein als Sterne im Universum leuchten und dort warten, bis es Zeit wird, zu den ihnen vorbestimmten Eltern zu ‚fliegen’. Ich konnte damals gut mit dieser Vorstellung leben. Und es schien, als wäre sie auch für die Zwergenprinzessinnen okay. Vorerst.

Wir wandten uns also wieder einfacheren Themen zu, wie: „Wie war meine Geburt?“. Ich erzählte und die Zwerge sogen die gruslig-schönen Informationen genüsslich auf.

Als das Zwergelinchen und ich dann vor kurzem alleine zu Hause waren, merkte ich schon, dass sie etwas beschäftigte. Die Ungerechtigkeit, dass sie zwei Jahre nach ihrer Schwester geboren wurde und damit für immer und ewig die jüngere sein würde, fand sie ganz schlimm. Das wusste ich bereits. Aber was war da noch im Busch? Da kam sie mit ernstem Blick auf mich zu und sagte: „Mama, als ihr meine Schwester damals aus dem Bauch geholt habt, wie konntet ihr mich noch so lange da drin lassen? Ich hoffe, der Doktor hat wenigstens aufgepasst, dass er mir nicht weh tut mit dem Messer…“ – „Aber Schatz, um Himmels Willen, du warst doch damals noch gar nicht dort!“ – „Wo denn dann????“

Das mit den Sternlein hat also nicht wirklich funktioniert. Dann versuchen wir es eben wieder mit dem ‚Nirgends’, aber die Erfolgschancen sind gering…

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