Januar 2014

Spinattaschen

Episode 2

„Was gibt es heute zum Mittagessen“? Die obligate Frage. „Es gibt einen Brunch, wie immer am Sonntag“, antwortete ich. „Ich will aber Spinattaschen!“ bekam ich von der Zwergenprinzessin um die Ohren geschmettert. Ich war ratlos. Proteste gegen meine Menüvorschläge war ich gewohnt. Aber Spinattaschen? Ich hatte noch nie Spinattaschen zubereitet. Ich wusste gar nicht genau, was sie damit meinte.

Meine Recherche ergab folgendes: Kronk macht die besten und tollsten Spinattaschen. Kronk ist der Diener von Yzma. Und Yzma ist die böse Zauberin im aktuellen Lieblings-Trickfilm im Zwergenland. Und Spinattaschen sehen wunderhübsch aus – wie kleine Geschenke. Ergo schmecken sie auch gut. Yzma liebt sie jedenfalls heiss.

Gut, das hatten wir also geklärt. Der Brunch war aber bereits auf dem Tisch. „Mama, ich will Spinattaschen machen!“, sprach’s plötzlich aus vollem Mund, „Machen wir Spinattaschen zum Znacht“? Oh je, das Thema war also noch nicht gegessen. „Ja, das ist doch eine super Idee! Mama macht mit euch heute Nachmittag Spinattaschen! Wir hatten ja sonst noch nichts vor, oder?“ Ein breites, zufriedenes Grinsen auf Zwergenvaters Gesicht strahlte mir entgegen. Na warte! Dafür wirst du noch bezahlen, dachte ich mir und warf einen bösen Blick zurück. „Aber ich weiss doch gar nicht, wie das geht! Wollen wir nicht lieber in den Zoo? In den Park?“ Keine Chance.

Dann war jetzt wohl Improvisationstalent gefragt. Ich überschlug mental den Inhalt unseres Kühlschranks: ein Pizzateig, eine Packung Fetakäse, Eier. Im Tiefkühler noch eine Packung Rahmspinat. Also gut, was solls: Wenn Kronk das kann, schaffe ich das mit links!

Oder eben nicht. Nach anderthalb Stunden und endlosen Diskussionen, zwei rohen Eiern auf dem Boden und Spinatspritzern an der Wand betrachteten die Prinzessinnen enttäuscht das Ergebnis auf dem Blech. Ich musste zugeben, das Resultat war ernüchternd und weit entfernt von den schmucken kleinen Päckchen, die mir beschrieben worden waren. Aber hey, es waren unsere Spinattaschen! „Na, die sind doch schön geworden, oder? Freut ihr euch schon, wenn wir sie probieren können?“ – „Nein, die sind blöd!“ – „Spinattaschen sehen gar nicht so aus!“ – „Die sind gruuusig!“ – „Ich will die nicht essen!“ Es nahm gar kein Ende mehr. Tränen. Stampfen. Wütendes Davonlaufen. Ich blickte baff hinterher.

Na warte, Zwergenvater, wenn ich dich in die Finger kriege! Und eines verspreche ich euch: die werden alle gegessen. Alle!

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Januar 2014

Der Länge nach

Episode 1

Zwerge stolpern dauernd. Sie fliegen in alle Richtungen, mal auf den Po, mal auf den flachen Bauch, aufs Gesicht. Und von den Knien wollen wir schon gar nicht sprechen Die abgewetzten Hosen sprechen Bände. Der Länge nach hinfallen – Alltag. Doch wann ist mir das das letzte Mal passiert?

Gestern. Im Büro, vor versammelter Mannschaft legte ich einen Bilderbuch-Sturz hin. Wie peinlich.

Es war so schnell passiert, dass ich einen Moment brauchte, um es wirklich zu verstehen. Einen Stapel Plakatrollen in den Händen übersah ich die Kartonschachtel, die vor meinen Füssen auf dem Boden lag. Und zack, da lag ich auf dem Boden. Sofort aufstehen! Und lächeln! Nix passiert, nein, nein, es geht mir gut! Einmal kurz den Staub von den Hosen klopfen und schnell über etwas anderes sprechen.

Und dann unauffällig zur Toilette gehen und nachsehen, was den brennenden Schmerz in den Knien und Ellenbögen verursacht. Am liebsten hätte ich losgeheult, während ich die aufgeschürften Stellen betrachtete. Und da! Sogar ein Tropfen Blut! Unter Zwergen der ultimative Beweis für eine ernsthafte Verletzung. Und keiner, der für mich „Heile, heile Säääge“ singt. Und keiner, der mich in den Arm nimmt. Und keiner, der mir einen Schläckstängel verspricht, wenn ich aufhöre zu weinen. Und schon gar keiner, der mir den Schmerz der Blamage nehmen kann. Also Pokerface wieder aufsetzen und zurück an den Schreibtisch.

Ah, aber daheim, da werde ich jetzt was zu erzählen haben. Wenn mich jemand versteht, dann die Zwergenprinzessinnen! Stolz präsentiere ich zu Hause meine Kriegsverletzungen. „Ihr glaubt nicht, was mir heute passiert ist! Mama ist voll hingefallen!“ Die Kleinen sehen mich teilnahmslos an. Ein kurzer Profi-Blick auf mein Knie und ein lapidares: „Ah, ist nicht so schlimm. Soll ich dir eines von meinen Pflästerli geben? Ich hab noch die mit den Barbies drauf“. Alltag eben. Gut, dann bleibe ich mit meinem Schmerz halt allein.

Aber ich weiss, dass ich es mir das nächste Mal gut überlegen werde, wenn ich beim Dumpfen „Klonk“ des Aufpralls von Kopf auf Steinplatte von Weitem einfach rufe: „Ist nicht so schlimm! Einfach aufstehen! Geht gleich wieder vorbei!“. Rabenmutter.

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