Dezember 2014

Partytime!

Episode 26

Dezember ist ein sehr komplizierter Monat.
So viele Feste, Bräuche und Rituale und dann noch garniert mit Süssigkeiten, Kerzen, Lichterketten und Geschenken! Da verliert man als Zwerg schon mal den Überblick…

Als erstes kommt der Samichlaus. Und mit ihm das Durcheinander. Denn so einfach die Geschichte auch wäre, ist die Umsetzung des Brauchs inzwischen schwierig. Wie erklärt man den kleinen spitzfindigen Schlaumeiern, dass der, den sie gerade im Einkaufszentrum gesehen haben, der gleiche ist, wie der, der am Morgen im Kindsgi war, und auch der, der soeben im Nachbarshaus verschwunden ist? Und wieso haben sie alle verschiedene Kappen? Und halt! Wieso laufen da vorne gleich zwei?? Nachdem wir letztes Jahr am 6. Dezember unterwegs sieben Nikoläuse gesehen haben und ich in echte Erklärungsnot geraten war, sind wir dieses Jahr daheim geblieben. Und der Nikolaus hat ganz brav ein Säckchen und einen pädagogisch wertvollen Brief vor der Tür gelassen. Das war gut.

Doch je näher das Weihnachtsfest rückt, desto gedrängter die Attraktionen, die es vorbereiten: Adventssingen, Krippenspiele, Weihnachtmärkte, Kerzenziehen, Geschenkebasteln, Gutzibacken, Kärtchenschreiben. Der Marathon ist hart. Und wieso eigentlich das Ganze?

„Weil das Josekind geboren ist“, erklärt mir das Zwergelinchen. „Wer ist geboren?“ frage ich amüsiert. „Na das Kind vom Josef, natürlich. Das Josekind!“. Gut, bei ihr ist also alles klar. Bei der Zwergenprinzessin schon weniger: Sie hat nämlich im Kindergarten gelernt, dass an Weihnachten nicht alle den Geburtstag vom Jesuskind feiern und nicht bei jedem das Christkind die Geschenke bringt, sondern vielleicht auch der Samichlaus (bitte, nicht schon wieder!) oder auch gar niemand, weil vielleicht auch nicht jeder an den Gott glaubt und der wäre ja der Vater vom Jesus, obwohl es ja auch noch den Josef gibt. „Und sowieso, das Jesuskind haben sie dann umgebracht und das feiern wir an Ostern“, weiss sie. Schluck. Doch solange es bei uns Geschenke gibt, ist alles in Ordnung. Endlich Weihnachten! Wundervoll.

Doch dann kommt Silvester. Einfach so und ohne Vorwarnung. „Mama, was feiern wir denn jetzt?“ – „Das neue Jahr.“ – „Was ist das?“ – „Ja eben ein neues Jahr, das beginnt…“, ich merke schon, das wird nichts. „Dann ist wieder Januar…“ Verwirrte Gesichter. „Gibt’s Geschenke?“ – „Nein“ – „Wieso feiern wir dann? Silvester ist blöd.“ Ich resigniere langsam. Der letzte Strohhalm: „Aber wir zünden Tischbomben!“- „Juhuiii! Silvester ist toll!“. Na bitte. Ein gutes Neues Jahr!

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Dezember 2014

Vier Stiche für eine Pirouette

Episode 25
Es ist ein Freitagabend wie jeder andere. Wir essen zu Abend, plaudern und lassen den Tag Revue passieren. Zwergenpapa und -mama freuen sich auf ein erholsames Wochenende, die Zwerge aufs Ausschlafen. „Weisst du, was ich heute geübt habe?“ fragt das Fräulein Zwerg und rückt ihren Stuhl vom Tisch. „Eine Pirouette mit Sprung!“ verkündet sie stolz. Es ist nicht das erste Mal, dass wir Purzelbäume, Spagate (oder zumindest Versuche davon) und ‚Pirouetten’ demonstriert bekommen. Ich gebe ein routiniertes „Ah, toll, zeig mal“ zur Antwort ohne wirklich den Blick vom Teller zu nehmen, während sich die Ballerina in Position bringt. Darum verpasse ich – genauso wie der Zwergenvater – das eigentliche Kunststück und schrecke erst auf, als ich den Aufprall höre. Es ist ein schrecklicher Knall. Er geht durch Mark und Bein und wir wissen beide sofort: Jetzt ist wirklich etwas passiert. Etwas Schlimmes.
Was folgt, ist Chaos. Die Zwerge schreien (einer vor Schmerz, der andere vor Schreck), der Vater steht schon in der Jacke, während ich nicht wahrhaben will, dass jetzt ein Spitalbesuch angesagt ist. Nach ein paar Minuten haben wir uns alle wieder gefangen. Der Blutfluss ist gestoppt und ich bin mit dem schluchzenden Zwerglein und seinem aufgeschlagenen Kinn auf dem Weg zur Notfallstation. „Alles wird gut“, rede ich mir heimlich zu.
Zwei Stunden und vier Nahtstiche später sitzen wir auch schon wieder im Auto. Abgesehen von einer unbedeutenden Narbe sind keine bleibenden Schäden zu befürchten. Und während ich darüber nachgrüble, wie es eigentlich passieren kann, dass aus der banalsten plötzlich eine brenzlige Situation wird (schliesslich waren wir weder Rollerbladen, noch Eiskunstlaufen – wir waren doch einfach nur beim Abendessen!!), geniesst das Zwerglein die Entspannung, die ihr die Betäubung der Wunde beschert hat. „Weißt du Mama, es ist schon lustig“, sagt sie plötzlich, „auf dem Hinweg hatte ich noch solche Angst. Und jetzt, auf dem Rückweg, finde ich es eigentlich irgendwie cool“. Ja, da werden die Kindergartenkameraden grosse Augen machen, bei dem Verband…
So plötzlich der Schreck über uns gekommen war, so schnell war er auch wieder vorbei. Und irgendwie ahne ich, dass dieser Abend unter dem Titel „Vier Stiche für eine Pirouette“ in die familiäre Anekdotensammlung eingehen wird.
Glück, sehr viel Glück gehabt!

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