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Betreten verboten

Episode 53

Neuerdings gibt es in unserem Haus verschiedene Verbotszonen. Die Zwerge haben nämlich entdeckt, was es heisst, ein eigenes Territorium zu besitzen und dieses auch – wenn nötig – zu verteidigen. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass ihnen vor allem das Letztere teuflischen Spass bereitet.
Angefangen hat es alles vor ein paar Wochen, nach einem Streit zwischen der Zwergenprinzessin und mir. Sie ist in ihr Zimmer gestampft, hat die Türe zugeknallt und sich eine Viertel Stunde nicht mehr blicken lassen. Dann kam sie vorsichtig hinaus, klebte ein Blatt an die Tür und verschwand sofort wieder dahinter. Belustigt betrachtete ich das Kunstwerk. Sie hatte eine Frau gezeichnet, sie mehrfach durchgestrichen und mit Gewitterblitzen umrahmt. Darunter stand: „Ferbod“. Plötzlich ging die Tür wieder auf, der Wutzwerg kam heraus, schrieb noch gross „MAMA“ über die Frau auf dem Blatt, sah mich an und fauchte: „Nur falls du es nicht verstanden hast: Das bist du. Und du darfst hier nicht rein!“. Sie verschanzte sich wieder und ich beschloss, ihr Territorium zu respektieren. Sie hatte recht: Ihr Zimmer ist ihr Zimmer und da soll sie ihre Ruhe haben, wenn sie möchte.
Logisch, dass diese neue Rückzugstaktik schnell Fuss gefasst hat. Die Zwerge haben nämlich herausgefunden, dass sie sie auch untereinander anwenden können – jede, so gut sie eben kann. Während die Zwergenprinzessin inzwischen ganze Listen veröffentlicht, was in ihrem Zimmer erlaubt ist und was nicht (zum Beispiel, dass es nicht mit „blute Füsen“ betreten werden darf – sie hat in der Schule gehört, dass man sich so mit Warzen ansteckt), behilft sich das Zwergelinchen mit Piktogrammen und Fantasiesprache (M RAAA WPSI: „Da steht auf meiner Sprache: Hunde und Schwestern verboten!“). Wunderbar – so weiss jeder in der Familie, woran er ist.
Das Dumme ist nur, dass die Zwerge dieses Verhalten bis jetzt nur auf ihre eigenen Zimmer anwenden. Die Vorstellung, dass auch ich ein eigenes Territorium besitzen könnte, ist ihnen nach wie vor fremd. Egal, welche Strafen ich androhe, meine Schubladen sind Selbstbedienungszone, meine Kosmetikartikel Experimentiermaterial, meine Taschen Fundgruben und mein Bett Mehrzweck-Veranstaltungsort. Ich solle halt auch ein Schild an mein Zimmer machen, rät mir das Zwergelinchen gestern, als ich mich mal wieder darüber aufrege, dass niemand mein Territorium respektiert. Gut, denke ich, das werde ich gleich morgen machen. Aber als ich dann abends zu Bett gehen will und dort meinen Platz von einem tief und ruhig schnaufenden, wohlduftenden Zwerglein besetzt vorfinde (sie konnte wohl bei sich nicht einschlafen), finde ich mein Schicksal doch plötzlich nicht mehr so schlimm.
Zwerglein, mein Bett ist dein Bett. Die Zeit, wo du es nicht mehr brauchst, wird schnell genug gekommen sein…

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