Uncategorized

Gute Vorsätze

Episode 52

Dezember ist traditionell die Zeit der Jahresrückblicke und der guten Vorsätze. Lustiger Weise scheint das ein natürlicher Vorgang zu sein und kein – wie ich eher vermutet hatte – gesellschaftlich anerzogener. Denn obwohl gute Vorsätze nie ein Thema bei uns waren, haben sich unsere beiden Zwergendamen bereits einiges fürs nächste Jahr vorgenommen.
Zwergelinchens Vorsätze fürs nächste Jahr sind dabei hauptsächlich pragmatischer Natur. Sie verschiebt einfach alles, was ihr gegen den Strich geht, auf 2016. Zum Beispiel die Fortsetzung des Schwimmkurses („Ich mache nächstes Jahr weiter, jetzt möchte ich eine Pause!“) oder das Haarscheiden („Das können wir doch im neuen Jahr machen!“) oder das Velofahren („Das lerne ich, wenn ich sechs bin!“). Auch das Grösserwerden ganz allgemein hat sich das Zwergelinchen erst fürs nächste Jahr so richtig vorgenommen. Nächstes Jahr wird sie sich trauen, den Nachbarshund zu streicheln, dann wird sie auch beim Grüezi-Sagen nicht mehr auf den Boden starren und dann wird sie ganz allein die Tür zum Kindergarten öffnen. So hat sie das geplant und angekündigt. Und vorher braucht man sie mit alledem nicht zu behelligen.
Etwas unerwarteter kommen heute die Neujahrsvorsätze der Zwergenprinzessin. „Mama, im neuen Jahr streiche ich mein Zimmer neu“, erklärt sie mir. „Diese rosa und pinken Blumen sind voll peinlich“. „Ach ja?“, antworte ich. „Und in welcher Farbe streichst DU denn dein Zimmer neu?“ – „Schwarz. Das ist meine neue Lieblingsfarbe, das weisst du doch!“ – „Ist das nicht etwas zu dunkel als Wandfarbe?“ – „Nein, das wird toll. Und weil ich wusste, dass du das sagst, habe ich auch entschieden, dass ich eine Wand weiss lasse und dafür mit Graffitis in allen Farben vollspraye“. Sie strahlt vor Vorfreude, sodass die Zahnlücken nur so blitzen. Dass ihr wichtigstes Vorhaben für 2016 ist, endlich Teenager zu werden, hatte ich schon vermutet. Der Kinderkram in ihrem Leben ist mit sieben Jahren nämlich Geschichte. Schliesslich geht sie jetzt in die Schule, findet sie auch bereits überflüssig (wer braucht schon das ganze Alphabet?) und beschäftigt sich lieber mit Liebesgeschichten, die der Pausenhof so hergibt.
Da ich aber gerade mit einem Fuss auf der Leiter, dem anderen in der Luft und beiden Händen am obersten Zweig des Tannenbaums hänge und versuche, die pinken (von der Zwergenprinzessin ausgesuchten!) Kugeln zu befestigen, nicke ich nur und gebe ein vages „Mhm“ von mir. „Nein, wirklich, Mama, darf ich? Darf ich? Darf ich?“. Sie muss es natürlich jetzt wissen. „Ach, frag doch Papa!“, antworte ich kurzerhand, um nicht von der Leiter steigen zu müssen. „Ok!“, spricht sie und stapft davon. Oh wie wunderbar! Ich hatte gar nicht realisiert, wie einfach gewisse Probleme wegdelegiert werden können.
Ich notiere: 2016 den Zwergenvater mehr Diskussionen führen lassen. Happy New Year, mein Liebster!

Advertisements
Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s