August 2015

Wer sucht, der…

Episode 42

…findet. Wenn er Glück hat.
Seit die Zwerge unseren Haushalt erobert haben, ist das Suchen von Dingen eine meiner Hauptbeschäftigungen. Denn man kann nie sicher sein, dass die Dinge – auch wenn sie eigentlich ihren Plätz hätten – dort sind, wo man sie vermutet.
Das hat zum einen damit zu tun, dass Zwerge wahnsinnig gerne packen und verstauen. Jeder Gegenstand, der einen Hohlraum hat, hat eine magische Anziehungskraft auf sie und muss gefüllt werden. Ob Spielköfferchen, Kartonschachtel, Blumentopf oder Schublade. Sobald sie anfangen zu krabbeln, beschäftigen sie sich mit Vorliebe damit, alles mit Gegenständen zu füllen. Oder mit Sand, Keksen, Flüssigkeiten (macht offenbar besonders Spass) und was ihnen sonst noch in die Finger kommt. So lange sie noch so klein sind, dass sie nicht über einen Meter Höhe reichen, hält sich der Schaden noch in Grenzen. Alles, was gefährlich oder wertvoll ist, kann vor ihnen in Sicherheit gebracht werden. Sobald sie aber so weit sind, dass sie auf Stühle und Tische klettern können, mit Schlüsseln umgehen und Kindersicherungen austricksen können, ist es vorbei. Ab dem Punkt gibt es keinen sicheren Ort und, was noch schlimmer ist, kein Eigentum mehr. So verbringe ich regelmässig viel Zeit damit, meinen Schmuck, meine Bücher, Kosmetika oder Schuhe im ganzen Haus zu suchen. Meistens werde ich in Handtäschchen, Schubladen oder unter Betten fündig. Ab und zu brauche ich etwas mehr Fantasie und finde meine Sachen in Garage, Garten oder Dusche wieder. Nichts ist unmöglich.
Der andere Grund fürs Dauersuchen ist aber noch viel schlimmer: Multitasking. Die Dinge verschwinden nie so unkontrolliert, wie wenn ich versuche, sieben Dinge auf einmal aufzuräumen, nebenbei noch das Essen auf dem Herd unter Kontrolle und die Zwerge im Griff zu behalten. Wenn die Zeit davonläuft und der Aufgabenberg wächst und wenn die Hände das eine und die grauen Zellen etwas anderes tun. Dann landen Dinge an den unglaublichsten Orten und das Suchen erreicht eine neue Dimension der Verzweiflung. So fand ich gestern – nach einer Stunde – die für den ersten Schultag gekauften Turnschlappen in meinem eigenen Schuhschrank. Und das Handy – nach einer weiteren Stunde und einem Nervenzusammenbruch – im Kühlschrank. Glück muss man haben. Vor allem beim Suchen.

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