Uncategorized

Schon wieder nix verstanden!

Episode 38

Im Moment weiss ich wirklich nur noch eines, nämlich, dass ich nichts weiss. Beziehungsweise nichts verstehe – von Zwergen und ihrem Leben. Das haben sie mir diese Woche mehrmals erklärt. Beziehungsweise sie haben es versucht, doch bei jemandem, der so dermassen nichts versteht, wie ich, kamen sie natürlich ziemlich an ihre Grenzen. Arme Zwerge.

Da wäre zum Beispiel das Problem mit dem Playmobil-Ross. Das soll nämlich von der Lego-Frau geritten werden, doch die fällt immer wieder runter. „Mama, du musst mir dringend helfen!“, zitiert mich das Zwergelinchen in ihr Zimmer. „Du musst die Frau irgendwie da festmachen.“ – „Das geht nicht, sie passt nicht“, antworte ich, während ich krampfhaft versuche, die beiden Spielsachen irgendwie ineinander zu verkeilen. „Doch, doch, dass muss sein“, insistiert das Zwergelinchen. Also drücke und zerre ich weiter an den Spielsachen herum, bis ich auf die Idee komme, das Figürchen mit den Armen am Ross festzubinden. „Wow! Schau, ich habe es geschafft!“, rufe ich stolz. Genervter Blick vom Zwerg: „Nein, doch nicht so!“ – „Wieso nicht? Es hält doch!“, argumentiere ich. „Aber sie muss doch flliiiiiiegeeen!! Sie muss die Arme hochhalten, so!“ Sie zeigt mir, was sie meint. „Fliegen? Das muss sie jetzt ohne Arme. Anders geht es nicht“, entgegne ich. „Ach! Du verstehst aber auch gar nichts!“ kreischt sie und wirft Ross und Reiterin in die Ecke. „Geh wieder raus!“

Später packen wie die Tasche für den Schwimmkurs. „Nein, Mama, auf keinen Fall dieses Badetuch!“, höre ich diesmal die Zwergenprinzessin rufen. „Was ist denn damit? Es ist einfach nur gelb“, wundere ich mich. „Eben!“, antwortet sie, „Damit schäme ich mich.“ – „Wie bitte? Erstens schaut gar niemand auf unser Tuch und zweitens ist gar nichts drauf“ – „Eeeben!“ – „Wieso ist das ein Problem? Ich habe kein anderes, also kommt es mit!“, bestimme ich. „Ach, du verstehst gar nichts! Ich komme nicht mit!“ faucht sie und schlägt wütend die Türe zu.

Auch beim Znüni einpacken am nächsten Tag verstehe ich nichts. Ist doch klar, dass neben dem, was man eigentlich essen will, auch noch anderes in die Box muss – damit man etwas zum Tauschen hat. Wieso man aber tauschen muss, wenn man eh schon das hat, was man möchte, entzieht sich meinem Verstand. Doch Widerstand ist zwecklos: „Du verstehst das nicht, pack es einfach ein!“. Okay. Doch den Vogel habe ich wohl abgeschossen, als ich die Zwergenprinzessin gezwungen habe, nach Hause zu kommen, obwohl sie doch bei ihrem Freund zu Abend essen wollte. „Komm jetzt, ihr könnt morgen wieder abmachen“, versuche ich das weinende Wutbündel zu beruhigen. „Nein!“, faucht es. „Wir freuen uns, wenn du mit uns isst“, ergänze ich. „Aber ich nicht!“, faucht es. „Es gibt was Feines!“ Ich gebe nicht auf. Da setzt sie sich resigniert auf die Treppe, hält sich mit beiden Händen den hochroten Kopf und würdigt mich keines Blickes mehr. „Jetzt weiss ich, dass ich Eltern habe, die wirklich nichts von mir verstehen!“, höre ich sie seufzen.

Du liebe Güte! Und das mit sechs. Was mache ich erst, wenn die Pubertät kommt?

Advertisements
Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s