Juni 2015

Listen und Fristen

Episode 37

Zwergenmamas, die im Berufsleben stehen, fürchten keinen Monat so sehr wie den Juni. Denn im Juni kommen die Stundenpläne, die Klassen- und Kindergartenzuteilungen ihrer Zwerge raus. Und die können – je nach dem – so einige unliebsame Konsequenzen für den Berufsalltag nach sich ziehen.

Dabei wären die Stundenpläne an sich gar nicht so problematisch, wären da nicht die vorgelagerten Anmeldefristen der Betreuungsinstitutionen, die es den Mamas und Papas erlauben, arbeiten zu gehen. Nehmen wir zum Beispiel die staatlich angebotenen Tagesstrukturen: Wer seinen Zwerg zur schulergänzenden Betreuung anmeldet, muss die gewünschten Zeiten bereits Monate voraus genau angeben, ohne zu wissen, wie der Stundenplan aussehen wird. Und ohne zu wissen, ob er die gewünschten Betreuungsmodule denn auch bekommen wird. Ein nachträgliches Verschieben der Betreuungszeiten ist zwar theoretisch und ausnahmsweise möglich, aber nur, wenn es der Platz erlaubt. Noch schlimmer wird es für alle, die mehrere Zwerge an verschiedenen Orten unterbringen müssen. Denn alle, die einen Zwerg in der Kita haben, wissen, dass auch hier alles früh geplant werden muss und die Plätze knapp sind. Da kann nicht einfach so mal ein Tag getauscht werden, nur weil der Kindergarten-Nachmittag nun doch auf den Donnerstag fällt, wenn der Zwerg eigentlich in der Kita wäre, oder weil die Schwester genau den anderen Tag bekommen hat! So bleibt vielen Zwergenmamas nur eines: Pokern und hoffen, dass am Schluss alles irgendwie aufgeht.

Sind die Stundenplan-Sorgen eher pragmatischer Natur, kommen bei den Zuteilungen auch noch Emotionen dazu. Mit wem wird der Zwerg in der neuen Klasse sein? Muss er sich von der besten Freundin trennen? Welche Kindergärtnerin hat der kleine Zwerg erwischt? Wer hat den gleichen Schulweg?

So wurde der Briefträger in Riehen wohl selten so sehnlich von so vielen Familien erwartet wie letzten Samstag. Denn er hatte die Antworten auf alle diese Fragen im Gepäck. „Mama, die Briefe sind daaaaa!“, höre ich die Zwergenprinzessin rufen. Nervös öffne ich sie beide. Als erstes checke ich die Nachmittage der Schwestern: Bingo! Wir haben Glück. Ich werde weder Verschiebungen beantragen, noch Rekurse starten, noch um Kulanz bitten oder auf die Barikaden steigen müssen. So weit, so gut. Dann suche ich sofort nach den Klassenlisten, während die Zwergenprinzessin schon hektisch am Ärmel zupft. „Sag schon, sag schon, bin ich in der 1a oder 1b?“, drängelt sie. „Du bist mit Lisa, Tim und Gabriel in der Klasse“, antworte ich ganz verzückt. „Ja, aber 1a oder 1b? A oder B?“ will sie wissen. „1b. Aber wieso?“ – „Gottseidank!“, ruft sie erleichtert. „Na, weil B ein viiiiiel schönerer Buchstabe ist als A!“. Natürlich. Den wichtigsten Aspekt hatte ich ja noch gar nicht berücksichtigt…

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