März 2015

Gut eingepackt?

Episode 30

Endlich! Der Frühling kommt. Ich freue mich. Denn so viele schöne Seiten der Winter auch hat, er hat eine unglaublich mühsame: Das tägliche Zwerge-Eingepacke. Die Prozedur kostet mich jeden Morgen gute zwanzig Minuten Zeit und verschlingt etwa gleich viel Energie wie eine Runde joggen.
Alles beginnt mit der Wahl der richtigen Hose. Das mag banal klingen, ist aber in Wirklichkeit die erste Knacknuss. Denn je nach dem, ob gerade Wald-, Turn- oder Ausflugstag in Kindergarten oder Krippe angesagt sind, muss die Beinbekleidung dementsprechend angepasst werden. Regnet es? Dann bitte dünne Regenhosen über die Jeans. Schliesslich sollen die Zwerge ja in der Pause im Matsch spielen können. Es schneit? Dann bitte Regenhosen über Thermohosen, sonst wird’s womöglich zu kalt. Waldtag im Januar? Bitte die Schneehose nicht vergessen – genauso wenig wie die Leggins, die Kniestrümpfe und die Moon Boots darunter. Die Kleinen gehen turnen? Ja keine Überhose und Knöpfe schon gar nicht! Man will ja nicht die letzte sein, die aus der Umkleide kommt. Bloss: was tun, wenn es am Turntag schneit? Keine Ahnung.
Hat man die richtige Hose schliesslich gefunden, muss man die kleinen Beinchen dann auch noch irgendwie in die Stiefel kriegen. Was meistens einiges schwieriger ist, als man vermuten könnte. Denn so warm, wasserdicht, atmungsfähig und ergonomisch ganzen Hi-Tech-Gore-Tex-Thinsulate-Zwergenstiefel auch sind – sie sind eine Qual zum Anziehen. Zumal sie ja – je nach Tag – über oder unter die ganzen Hosenschichten gepackt werden müssen. An diesem Punkt kommt auch immer der erste Schweissausbruch. Entweder beim Zwerg, der dummerweise die superwarme und superdicke Jacke schon vor den Stiefeln angezogen hat und bereits weichgekocht dasteht, oder bei mir, die seit fünf Minuten versucht, den Reisverschluss der Stiefel hochzukriegen, während sich der Zwerg an meinen Haaren festhält, um vom Gezerre nicht zu Boden gerissen zu werden.
Immerhin ist das Schlimmste danach überstanden. Es fehlen nur noch Kappe, Schal, Handschuhe (aber bitte wasserdicht!), Kindergarten-Streifen und Tasche. Ist das alles gefunden und montiert, können die Kleinen endlich raus. Zwar sehen sie aus wie Astronauten (und bewegen sich auch so) aber jetzt kann ihnen kein Wetter mehr etwas anhaben!
Da frage ich mich gerade, wie wir damals den Winter überleben konnten in unseren Wollhandschuhen, Stoffhosen und Lederstiefeln, die sich alle nach fünf Minuten Schneeballschlacht bereits mit Wasser vollsogen. Waren wir nicht furchtbar arme Geschöpfe? Oh nein. Denn es war einfach herrlich, sich die durchnässten Zehen und steifgefrorenen Finger zu Hause wieder warm massieren zu lassen…

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