Juli 2014

Koffer packen

Episode 14

Die grossen Ferien stehen vor der Tür und eine ganz besondere Stimmung liegt in der Luft. Eine Mischung aus Vorfreude, Erschöpfung und Nervosität. Es ist, als wären alle nur noch damit beschäftigt, rückwärts zu zählen: die Zwerge („Wie viel Mal müssen wir noch schlafen?“), die Zwergenmutter („Wie viel Zeit habe ich noch, um alles zu besorgen?“), der Zwergenvater („Nur noch drei Tage Büro!“). Alles blickt sehnsüchtig auf den einen Moment, der uns aus dem Alltag entführen soll.

Und dann kommt der Tag, an dem die Koffer gepackt werden. Die Aufregung ist auf dem Höhepunkt. „Wir haben eine super Idee: Wir packen unsere Spielsachen dieses Jahr selber!“ schlagen die Prinzessinen im Chor vor. Hoffnungsvoll blicken sie mich an. Nach einem kurzen Moment des Zögerns stimme ich zu. Die Idee ist wirklich nicht schlecht. Schliesslich soll man seine Zwerge ja zur Selbstständigkeit erziehen. Ausserdem kann ich so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: erstens habe ich Ruhe, um die Kleiderkoffer zu packen, und zweitens wissen sie ja selbst am besten, womit sie gerne spielen. Eine klassische Win-Win-Situation, wie man so schön sagt.

Falsch gedacht. Fünfzehn Minuten später geht’s los, das Zwergelinchen steht weinend und völlig entnervt neben mir. „Was ist passiert?“ – „Der blöde Rucksack geht nicht zuuuuhuuhuuu!“ – „Kein Problem, ich helfe dir, komm“. Aber in ihrem Zimmer angekommen merke ich: es ist doch ein Problem. Ich zähle: vier Barbie-Pferde, eine Wanduhr (!), Kindergeschirr (2 Tassen, 1 Kochtopf, drei Messer und ein Salat aus Plüsch), eine Taschenlampe, ein Puzzle (mitsamt Schachtel, natürlich), sieben Packungen Papiertaschentücher, zwei selbstgemalte Zeichnungen, einen Farmer-Stengel und sechs Plüschtiere. „Siehst du? Er geht einfach nicht zu!“. Und dabei sind erst zwei von vier Rössern drin…

Schüchtern blicke ich hinüber ins andere Zimmer. Dort sehe ich die grössere Zwergenprinzessin, wie sie inmitten eines Berges von Spielsachen beherzt auf dem Rucksack herumstampft – offensichtlich, um etwas klein zu kriegen, was zu gross ist.

Oh weh. Was habe ich da bloss angerichtet? Es ist also doch Teamwork gefragt.

Nach anderthalb Stunden sind wir fertig. Und dies auch nur, weil ich irgendwann aufgehört habe, nach dem Sinn eines Gegenstandes zu fragen und mich einfach darauf beschränkt habe, die Grösse zu berücksichtigen. Das Wichtigste: beide Rucksäcke sind jetzt zu. Und irgendwie beschleicht mich der Verdacht, dass sie das auch bleiben werden. Und zwar ganze zwei Wochen lang. Denn hatten wir das letzte Jahr den (von mir gepackten) Spielsachen-Rucksack nicht genau so, wie er angekommen war, auch wieder mitgenommen?

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