April 2014

Böse Wörter

Episode 8

Fluchen tut manchmal so gut. Mir zumindest. So ein paar richtig schlimme Kraftausdrücke aneinandergereiht lassen mich ein Missgeschick einfach besser verkraften. Da ich zudem einmal gelesen hatte, dass das Fluchen laut Psychologen ein wichtiger Bestandteil unserer Sprache ist, hatte ich auch lange keinerlei schlechtes Gewissen dabei. Doch das war, bevor die Zwerge in mein Leben kamen.

Denn als ich zu realisieren begann, wie schrecklich gewisse Ausdrücke klingen, wenn sie aus dem Mund des eigenen Nachwuchses kommen, war ich schockiert. Okey, ganz am Anfang war es noch irgendwie süss. Ich erinnere mich gut daran, als ich zum ersten Mal „Dannti Feiffe!“ von der zweijährigen Zwergenprinzessin zu hören bekam. Zusammen mit Nuggi, Windel und einem drohenden Blick, der bedeuten sollte: „Na, was machst du jetzt?“, war es einfach umwerfend komisch – und löste zum Entsetzen des wütenden Zwergs einen Lachanfall der Mama aus. Doch sind diese drolligen Zeiten einmal vorbei und kommt ein ganz klares „Verdammti Scheisse!“ aus dem vierjährigen Mund, sind Massnahmen gefragt. Doch welche?

Als ich selber noch ein Zwerg war, herrschte für mich absolutes Fluchverbot. Nicht, dass die Erwachsenen mit Kraftausdrücken gegeizt hätten. Doch diese waren eben nur ihnen vorbehalten. Da ich dies immer als höchst ungerecht empfunden hatte, wollte ich es anders machen. Doch die totale Liberalisierung des Fluchens war auch keine Option. Wenn Wörter wie „Schissdräck“ oder „blödi Sau“ (und das sind noch nicht einmal die Schlimmsten!) aus den kleinen Mäulern kamen, machte mein Magen jedes Mal einen Salto.

Ich entschied mich also für den Zwischenweg: ich fand einige Ausdrücke, die einerseits als Fluchwörter durchgehen und andererseits einigermassen salonfähig sind. Alle anderen wurden als „böse Wörter“ verbannt. Soweit, so gut. Doch jetzt begann erst die richtige Arbeit – nämlich die an meinem eigenen Wortschatz. Denn die kleinen Wort-Polizistinnen verpassten natürlich kein einziges „böses Wort“ aus Mamas Mund. „Scheisse sagt man nicht!“ kam es dann jeweils wie aus der Pistole geschossen.

Doch auch ohne es zu merken, halten sie uns täglich den Spiegel vor. Auf die Frage, warum sie denn ihre Gummistiefel anhabe, sagte Zwergelinchen gestern: „De Papi het gseit, es schifft dusse“. Ja, der Weg ist noch lang… Aber ich gehe ihn tapfer weiter. Und wenigstens haben meine Freunde in der Zwischenzeit etwas zu lachen, wenn ich meiner Wut mit „ach, Menno!“ und „Goppelletti!“ Luft mache. Zugegeben: es klingt auch einfach saublöd.

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