April 2014, Uncategorized

Feste feiern

Episode 7

Der einzige Ort, an dem die elektronische Kommunikation noch nicht Einzug gehalten hat, ist wohl der Kindergarten. Die Zwerge bringen alle wichtigen Informationen an die Eltern in Form von Briefen oder Zetteln mit nach Hause. Für Mamas wie mich, die sich praktisch ausschliesslich über E-Mails oder SMS mitteilen und organisieren, ist das eine ziemliche Herausforderung. Wohin mit den Infoblättern, Telefonlisten und Anmeldetalons? Einscannen, abfotografieren oder wieder die gute alte Pinnwand hervorholen? Wie stelle ich sicher, dass nichts vergessen geht? Ist ein Termin nicht im iPhone-Kalender gespeichert, ist er zum Untergehen verurteilt… Gleich doppelt heikel sind die Briefe, in denen die ausserordentlichen Aktivitäten mitgeteilt werden. Denn die bedeuten meistens auch den Zusammenbruch des sonst so minutiös getakteten Alltags.

So zog ich vor ein paar Wochen die Einladung zum Brotfest aus dem Kindsgitäschli der Zwergenprinzessin. Mit dem Brotfest war ein gemeinsames Frühstück gemeint, bei dem die Kinder ihr selbstgebackenes Brot zusammen mit ihren Eltern essen. Zeitpunkt: Freitagmorgen, 10 Uhr. Anwesenheit: Pflicht.

Freitagmorgen, 10 Uhr. Da sitze ich normalerweise am Schreib- statt am Frühstückstisch und zwar im Büro. Ich musste mich also wieder mal umorganisieren. Und die Chefin fragen, ob ich den Freitagmorgen an einem anderen Tag aufarbeiten kann. Und die Kollegen bitten, meine Anrufe entgegen zu nehmen. Doch man soll ja bekanntlich die Feste feiern, wie sie fallen. Also sorgte ich dafür, dass ich beim Brotfest dabei sein konnte.

Dann kam der besagte Freitag. Etwas grummelig machte ich mich auf den Weg. Warum konnten die Kleinen das Brot nicht einfach mit nach Hause bringen? Was hätte ich in dieser Zeit alles erledigen können! Anderthalb Stunden Brot essen – wer kam denn auf so eine Idee? Wieso blieb so Zeug immer an mir hängen? Zwergenvater, wo bist du?

Doch dann passierte, was in solchen Situationen immer passiert: Sobald ich den Kindergarten betreten hatte, hellte sich meine Stimmung schlagartig auf. Im Zwergenbau herrschte emsiges Treiben. Ein dutzend aufgeregter Zwerge in den letzten Vorbereitungen. Dann wurden die Gäste empfangen. Die Zwerge reichten ihr selbstgemachtes Brot (aus selbstgemahlenem Mehl!) mit selbstgemachter Butter und Konfitüre. Sie boten Früchte in blumengeschmückten Körbchen an und grinsten von einer Backe zur anderen, wenn man sich davon bediente. Stolz und glücklich feierten und besangen sie den riesigen Brotleib, für den sie so hart gearbeitet hatten. Und wir waren Zeugen ihres Erfolgs. Als ich das erste Mal auf die Uhr sah, war es fast Mittag. Es kam mir vor, als hätte ich in einer Zeitmaschine gesessen, als hätte jemand auf den Entschleunigungsknopf gedrückt. Nein, ich hätte in dieser Zeit nichts Besseres tun können. Es war so wunderbar entspannend hier. Jetzt war mir auch klar, warum so eine Brotfest-Einladung nicht per E-Mail kommt. Die gibt es im entschleunigten Zwergenland einfach nicht.

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