März 2014

In der Skischule

Episode 6

Das schönste an Skiferien ist, dass man seine Zwerge – sobald sie einigermassen gerade laufen können – in die Skischule geben kann. Das bedeutet, dass sie nicht nur etwas lernen, sondern auch während zwei Stunden von anderen bespasst werden und abends todmüde und mit Indianerbemalung im Gesicht ins Bett fallen.

Denn die Skischulen heutzutage sind wahre Fun-Parks. Es gibt einen Zauberteppich (ein Förderband, das die Kleinsten bequem wieder die drei Meter hochtransportiert), farbige Sitzkissen in Tierform, Schneekarussells und tanzenden Maskottchen in übergrossen Kostümen. Der Hintergrund-Sound (Schni-Schna-Schnappi) sorgt für Stimmung – und übertönt im Notfall auch mal ein Zwergengeplärre. Kurz: Skifahren-Lernen ist Spass. Denn zufriedene Kinder sind zufriedene Eltern. Und bei denen sitzt das Portemonnaie bekanntlich immer etwas lockerer.

Voller Vorfreude machten wir uns also auch dieses Jahr wieder auf den Weg, um unsere Zwergenprinzessinnen einzuschreiben. Mein Blick schweifte bereits hinüber zur Sonnenterasse des Cafés, wo die Liegestühle warteten. Zwei Stunden Zeit zum Lesen – welch ein Luxus!

Doch dann machte uns Zwergelinchen einen Strich durch die Rechnung. Nein, sie wollte nicht alleine da bleiben, auf keinen Fall! Erbsengrosse Tränen kullerten ihr übers Gesicht und nicht einmal die einfühlsame Skilehrerin konnte helfen. Gut, das hiess dann wohl Entspannung im Schichtbetrieb. Ich blieb da, während Zwergenvater ins Café ging. Morgen würden wir es umgekehrt machen.

Seufzend liess ich mich auf einem Gummiwürfel nieder und bemitleidete mich selbst. Zwei Stunden im Schatten herumsitzen! Doch schon bald begriff ich, dass es hier ganz und gar nicht langweilig werden würde. Anstatt den dreijährigen Akrobaten musste man einfach nur ihren Eltern zusehen. Es war wunderbar, wie sich auf dieser Bühne verschiedene Eltern-Typen zu entfalten begannen. Die Show eröffnete der Papa, Mitte Vierzig, Bierbauch, der alles versuchte, um von der hübschen blonden Lehrerin seiner Tochter beachtet zu werden. Da es einfach nicht klappen wollte, begann er irgendwann zu den Kinderdisco-Klassikern mitzutanzen und (noch schlimmer!) zu singen. Als dann das „Yeeehaaa!“ als Zwischenruf kam, musste ich definitiv anderswo hinsehen. Mein Blick viel auf die Super-Mamas. Das waren die mit den Trinkfläschchen, die sie ihren Zwergen nach jeder Abfahrt (also alle 5 Minuten) fürsorglich in den Mund steckten. Eine lief jeweils noch neben dem Zauberteppich her und versorgte ihr Kleines mit Apfelschnitzen. Herrlich! Am besten gefielen mir aber die Alles-Kontrollierer. Sie duldeten nie mehr als einen Meter Entfernung zwischen sich und ihrem Zwerg. Sie rannten nebenher, während die kleinen runterrutschten, überholten dann auf der Zielgeraden, um unten mit ausgebreiteten Armen jubelnd bereit zu stehen. Natürlich gab es auch noch die Hier-ist-mein-Kind-ich-bin-dann-mal-weg-Eltern, aber die konnte man nicht beobachten. Und irgendwie beneidete ich sie auch nicht mehr. Das hier war viel, viel lustiger als Lesen!

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